Digitale Privatsphäre: Acht Tipps, wie Sie Ihre Daten schützen


Veröffentlicht am: 01.10.2018
Zuletzt aktualisiert: 04.10.2018


Wir geben dem Foto vom Wochenendausflug ein „Gefällt mir“ auf Facebook, Google Maps navigiert uns zum Italiener in die Innenstadt und WhatsApp synchronisiert automatisch die Kontakte aus unserem Telefonbuch. Tagtäglich nutzen wir Apps und Tools zur Unterhaltung, Kommunikation oder Organisation. Was viele dabei vergessen: Für nützliche Funktionen wie den Suchverlauf oder die Ein-Klick-Anmeldung über den Facebook-Account bezahlen wir mit unseren Daten, die im Hintergrund gesammelt werden.

Neben Angaben zur Person wie Name, Geburtsdatum, Anschrift oder Telefonnummer speichern Anbieter Aktivitätsdaten wie Suchanfragen, Standortinformationen oder abgegebene Kommentare. Haben Sie schon mal ein Produkt gesucht, beispielsweise Sportschuhe, und kurze Zeit darauf eine Werbe-E-Mail von einem Online-Shop für Sportschuhe erhalten? Wahrscheinlich wurde hier Ihre Suchanfrage für personalisierte Werbung genutzt.

Weil wir inzwischen viele Dinge online erledigen, ist die Menge an hinterlassenen digitalen Spuren gewachsen. Um das Regelwerk europaweit zu vereinheitlichen und den gewachsenen Anforderungen gerecht zu werden, regelt die DS-GVO seit Mai 2018 die Verarbeitung personenbezogener Daten. Da nun auf jeden Fall eine Einwilligung erforderlich ist, versuchen Anbieter mit kleinen Tricks, sich diese Zustimmung zu erschleichen: Aktivierte Standortverläufe, gespeicherte Suchverläufe oder aufgezeichnete Aktivitätsprotokolle sind Standard und sollen das Nutzererlebnis verbessern. Schaltflächen für „erlauben“ sind grün und groß dargestellt, „nicht erlauben“ dagegen rot und klein. 

Sicherlich sind viele Funktionen erst mit einer Datenfreigabe nützlich oder überhaupt verwendbar. Nehmen Sie sich aber trotzdem die Zeit und überlegen Sie gut, welche Daten Sie freigeben und wo Sie die Erlaubnis einschränken können. In diesem Artikel geben wir Ihnen acht Tipps zum Schutz Ihrer Daten.

Tipp 1: Löschen Sie im Browser die Cookies und den Verlauf

Cookies speichern aktive Logins, die Ihnen bei der nächsten Sitzung ein erneutes Einloggen ersparen oder Ihren Einkaufswagen speichern. Die Kehrseite der Medaille: Ihre protokollierten Aktivitäten kann der Webseitenbetreiber auswerten, um ein detailliertes Nutzerprofil anzulegen. 

So komfortabel es auch ist: Löschen Sie die Cookies nach jeder Sitzung oder deaktivieren Sie die Speicherung generell. Leeren Sie auch den Browserverlauf. Browser-Add-ons können die Historie auslesen und ohne Ihr Wissen an Dritte übertragen.

Tipp 2: Nutzen Sie Google, Google Maps und YouTube ohne Anmeldung

Loggen Sie sich in einen Google-Dienst wie Gmail oder Google Drive ein, gilt die Anmeldung auch automatisch für andere Google-Dienste. Ab dann werden Ihre Suchanfragen bei Google oder Ihre angeschauten Videos auf YouTube gespeichert, meist ohne, dass Sie es mitbekommen. Dabei funktionieren diese Seiten auch ohne Anmeldung.

Schützen Sie Ihre Daten und melden Sie sich immer ab! Sehen Sie bei Google, Google Maps oder YouTube die blaue Anmelde-Schaltfläche rechts oben, sind Sie auf der sicheren Seite.

Tipp 3: Nutzen Sie nicht die Anmeldung über Facebook oder Google

Ein komplett neues Konto erstellen oder die Anmeldung über Facebook nutzen? Viele entscheiden sich für die komfortable Lösung über die Drittanbieter Facebook oder Google. Hier muss man sich kein neues Passwort ausdenken. Auch entfällt der nervige Registrierungsprozess: Nutzer müssen nicht mehr Daten wie Name, Adresse oder E-Mail-Adresse eintragen.

Seien Sie sich aber bewusst: Die Datenriesen erfahren so immer mehr über Ihre Aktivitäten auch außerhalb der von ihnen betriebenen Plattformen. Investieren Sie besser einige Minuten und erstellen Sie ein neues Konto ohne Querverbindungen zu anderen Diensten.

Tipp 4: Prüfen Sie Zugriffsberechtigungen und Verläufe für Apps

Beim erstmaligen Start einer neuen App müssen Sie sich oft durch einige Erlaubnisanfragen tippen. Vielleicht ist es Ihnen auch schon einmal komisch vorgekommen, dass Messenger-Apps Zugriff auf den Standort oder Spiele-Apps die Berechtigung für Ihre Kontaktliste anfragen? Seien Sie stutzig und erlauben Sie nur das Nötigste! Deaktivieren Sie die GPS-Ortung, wenn Sie es nicht benötigen.

Vielleicht konnten Sie es einmal nicht abwarten, die App endlich zu nutzen, oder Ihnen waren die Folgen Ihrer Freigaben nicht bewusst. Kontrollieren Sie deshalb in Ihren Einstellungen bereits erteilte App-Freigaben und passen Sie die Einstellungen bei Bedarf an.

Tipp 5: Passen Sie Ihre Profileinstellungen an

Geben Sie sich nicht mit den Standardeinstellungen zufrieden: Rufen Sie bei Facebook, Instagram, Xing und Co. die Einstellungen zu Privatsphäre und Werbung auf und deaktivieren Sie alle unnötigen Funktionen. Achten Sie auf Signalwörter wie Tracking, personalisierte Werbung, Kontaktdaten synchronisieren, Speicherung von Aktivitäten, Suchverlauf oder Standort.

Tipp 6: Loggen Sie sich aus Facebook aus

Ein Druck auf die Home-Taste, und die Facebook-App ist beendet? Im Gegenteil, die App läuft im Hintergrund weiter und sammelt Daten zu Ihren sonstigen Online-Aktivitäten! Mit dieser Methode werden wieder Profildaten gesammelt und für gezielte Werbung oder kostenlose Marktforschung genutzt. Loggen Sie sich also immer ordnungsgemäß aus der App oder der Webseite aus.

Tipp 7: Nutzen Sie soziale Netzwerke mit Bedacht

Mit Snapchat, Twitter und Instagram können Sie sich mit Menschen auf der ganzen Welt vernetzen. Mit Postings, Fotos und Standortupdates halten einige Nutzer Ihre Freunde immer auf dem neuesten Stand. Auch hier können Webseitenbetreiber Daten sammeln: Gesetzte Hashtags, Daumen-hoch-Bekundungen oder Restaurantbewertungen erlauben eine Profilbildung für gezielte Werbung.

Seien Sie sich bewusst: Mit jeder Aktion geben Sie Datenriesen weitere Details von Ihnen preis. Auch wenn Sie Ihre Aktivität auf sozialen Netzwerken nicht einschränken wollen: Klicken Sie niemals auf Werbebanner und passen Sie auf allen Plattformen die Profileinstellungen an.

Tipp 8: Nutzen Sie verschiedene oder temporäre E-Mail-Adressen

Für Gewinnspiele, Gratisproben oder den Zugang zu vollständigen Newsartikeln bezahlen Sie oft mit Ihren Daten. Laufen Ihre Anmeldungen auf immer dieselbe E-Mail-Adresse, können Anbieter sich ein genaues Bild über Ihre Vorlieben, Gewohnheiten und Interessen machen.

Dabei gibt es zwei einfach Möglichkeiten, es den Datensammlern zu erschweren:

  1. Verschiedene E-Mail-Adressen erschweren es den Anbietern, ein detailliertes Profil ihrer Person zu erstellen.
  2. Temporäre E-Mail-Adressen werden nach einigen Minuten gelöscht und sind anonym.

Im Internet gibt eine Reihe von Anbietern, die solche anonymen Adressen anbieten. Nutzen Sie diese für einmalige Anmeldungen.


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