eHealth – Digitalisierung für mehr Qualität im Gesundheitswesen


Veröffentlicht am: 24.10.2017
Zuletzt aktualisiert: 16.08.2018


Digitalisierung ist eine DER zentralen Herausforderungen für Wirtschaft und Gesellschaft. Im Gesundheitswesen gibt es hierzu noch ein weiteres Schlagwort: eHealth. Aber was verbirgt sich eigentlich dahinter? Und welche Herausforderungen müssen Unternehmen aus Wohlfahrt und Gesundheitswesen bewältigen, um von den gewaltigen Effizienzpotenzialen zu profitieren, die eHealth mit sich bringt?

Wearables im Haushalt als Unterstützung für den Hausnotruf

Digitalisierung per Gesetz trifft auf Innovationen aus der Wirtschaft

Ein Arbeitsleben ohne Internet? Das ist im Jahr 2017 eigentlich unvorstellbar. Doch während Digitalisierung in vielen anderen Branchen einfach passiert (oder auch nicht), fördert die Bundesregierung das Thema im Gesundheitswesen mit dem eHealth-Gesetz ganz gezielt. Zudem ist das eHealth-Gesetz mehr als nur eine Regelsammlung: Ein konkreter Fahrplan legt Meilensteine fest, die zu bestimmten Zeitpunkten umgesetzt sein sollen. Der erste dieser Meilensteine war die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte, der größte und aufwändigste wird der Aufbau der sogenannten Telematikinfrastruktur (eine eigene Datenautobahn allein für die Vernetzung von Praxen und Krankenhäusern untereinander).  

Neben dem Digitalisierungsplan des eHealth-Gesetzes stehen zudem zahlreiche technische Innovationen, die enormes Effizienzpotenzial für das Gesundheitswesen versprechen. Ein Beispiel sind standardisierte, vernetzte IT-Services wie die SoCura Wohlfahrt.Cloud oder die elektronische FallAkte (nicht zu verwechseln mit der elektronischen Patientenakte), aber auch Notruf-Apps oder Telemedizin. Noch weiter gedacht stellt sich die Frage nach Pflegerobotern oder Diagnostik mithilfe künstlicher Intelligenz. Ziel wird es sein, all diese Vorgaben und Möglichkeiten schrittweise miteinander zu verknüpfen und so erfolgreich in die medizinische Versorgung der Zukunft zu starten.

Das eHealth-Gesetz: Chancen und Herausforderungen für das Gesundheitswesen

Keine Frage: Wenn von der Pflegeeinrichtung über den Hausarzt bis hin zur Notaufnahme im Krankenhaus alle Beteiligten jederzeit reibungslos und sicher auf Patienten- bzw. Falldaten zugreifen können, ist das ein Gewinn für alle Seiten.

Eine gemeinsame Datenlage bedeutet:

  • Erhöhte Diagnosesicherheit
  • Weniger Doppeluntersuchungen
  • Bessere Behandlungen
  • Zeitersparnis
  • Mehr Effizienz bei geringeren Kosten
  • Möglichkeiten für telemedizinische Leistungen

Der erste Schritt zu einer gemeinsamen Datenlage ist die flächendeckende Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK). Bereits heute sind auf der eGK verpflichtend Stammdaten wie Name, Geburtsdatum und Adresse eines Patienten gespeichert; in naher Zukunft kommen auf freiwilliger Basis Notfall- und Medikationsdaten hinzu.

Ziel ist es, in einigen Jahren die elektronische Patientenakte und das elektronische Patientenfach umzusetzen. Darin können dann alle möglichen Gesundheitsdaten gesammelt und vom Patienten verwaltet werden, von den ärztlichen Untersuchungsergebnissen aus der Patientenakte über selbst erfasste Blutdruckmesswerte bis hin zu Daten aus dem Schrittmesser. Zudem sollen langfristig nicht nur Arztpraxen und Krankenhäuser, sondern auch andere Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen in das System integriert werden – nur so kann die Vernetzung ihre Vorteile voll entfalten.

Voraussetzung dafür, dass ein Patient in den Genuss dieser vernetzten Behandlung kommt: Er muss gesetzlich versichert sein und seine elektronische Gesundheitskarte für die erweiterte Nutzung (über die Stammdaten hinaus) freigeben. Darüber hinaus müssen alle behandelnden Stellen an die Telematikinfrastruktur angeschlossen sein, denn die Kommunikation erfolgt ausschließlich über dieses geschlossene Netzwerk.

Telematikinfrastruktur: Was ist das eigentlich?

Die Telematikinfrastruktur besteht aus mehreren Komponenten und bezeichnet ein digitales Verzeichnis, über das alle angebundenen Einrichtungen sicher miteinander kommunizieren können. Ihr Aufbau gilt als das derzeit größte IT-Projekt in Deutschland. Verantwortlich ist die gematik, eine Gesellschaft der Selbstverwaltung – es handelt sich also NICHT um ein staatliches Gesundheitsnetz.

Dies sind die Bestandteile der Telematikinfrastruktur:

1. Datenautobahn

Ein extrem sicheres, geschlossenes Virtual Private Network (VPN), an das die Einrichtungen über Konnektoren (eine Art Router) angeschlossen werden.

2. Konnektoren

Sie müssen von der gematik zugelassen und vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zertifiziert sein.

3. Kartenterminals

Über Kartenterminals in den Institutionen identifizieren sich Praxen, Ärzte und Patienten für den Zugang zum System. Diese Kartenterminals gibt es bereits, allerdings werden sie bislang nur offline genutzt.

4. Schlüssel

Als Schlüssel zum Netzwerk dienen verschiedene Karten: Zum einen muss sich die Praxis oder das Krankenhaus über die Institutionskarte ausweisen, um eine Verbindung herzustellen. Darüber hinaus wird der elektronische Heilberufsausweis (HBA) benötigt, eine Chipkarte für Ärzte und andere behandelnde Personen wie zum Beispiel Apotheker oder Psychotherapeuten. Diese Karte kann auch Nachrichten entschlüsseln und rechtssichere Unterschriften leisten. Der Generalschlüssel für konkrete Falldaten ist die elektronische Gesundheitskarte des Patienten: Nur mit der eGK kann die Praxis auf die Daten zugreifen. So bleibt bei aller Vernetzung und allen Möglichkeiten, die durch die Telematikinfrastruktur entstehen, die Datenhoheit beim Patienten selbst. Er entscheidet auch, welche Daten (über die Stammdaten hinaus) auf der Karte gespeichert werden dürfen.

Die Telematikinfrastruktur ist zudem als Netzwerk für sichere digitale Kommunikation geplant. Unter dem Stichwort KOM-LE sollen zukünftig Nachrichten, Befunde, Arztbriefe und digitale Bilddateien vertraulich, sicher und ohne Medienbrüche ausgetauscht werden können.

eHealth schon heute nutzen: Digitalisierung neben der Telematikinfrastruktur

So umfassend das eHealth-Gesetz die Digitalisierung durch Telematikinfrastruktur und Co. auch regelt: Derzeit ist lediglich die Stammdatenverwaltung über die elektronische Gesundheitskarte umgesetzt. Bis die Vernetzung des Gesundheitswesens tatsächlich umfassend funktioniert, wird es noch Jahre dauern. Wie schaffen es Unternehmen aus Gesundheit und Wohlfahrt also schon heute, die Digitalisierung aktiv zu ihrem Vorteil und zum Wohle des Patienten zu nutzen?

Ein zentrales Projekt ist die elektronische FallAkte, an der bereits seit über zehn Jahren gearbeitet wird. Als Vertreter der katholischen Kirche in der deutschen Krankenhausgesellschaft war der verstorbene SoCura-Geschäftsführer Uwe Pöttgen direkt an der Entwicklung beteiligt.

Die elektronische FallAkte

Zielsetzung der elektronischen Fallakte (EFA) ist eine engere und reibungslosere Zusammenarbeit zwischen ambulanten und stationären Einrichtungen bei der gemeinsamen Behandlung von Patienten. Aus einer Projektinitiative entwickelte sich der 2009 gegründete Verein Elektronische FallAkte e. V., der die Entwicklung seitdem vorantreibt.

Wie die Telematikinfrastruktur ist auch die elektronische FallAkte in erster Linie eine Kommunikationsplattform, die allen Behandelnden den datenschutzkonformen Zugriff auf die Informationen zu einem Fall ermöglicht. Eine FallAkte steht immer für den medizinischen Fall eines Patienten – also für das gebrochene Bein, nicht für die gesamte Krankengeschichte. Dank standardisierter Schnittstellen funktioniert der Informationsfluss zwischen verschiedenen Behandlungsstellen unabhängig von individuell unterschiedlichen IT-Systemen reibungslos und ohne Informationsverluste. Eine ausgefeilte Sicherheitsarchitektur stellt den Schutz der sensiblen medizinischen Daten sicher. Entwickelt wurde sie in enger Zusammenarbeit mit den Landesbeauftragten für Datenschutz.

Derzeit betreut das Universitätsklinikum Aachen über eine Tochtergesellschaft die Erprobung der elektronischen FallAkte. Das Portal FallAkte Plus bietet den beteiligten Kliniken, Praxen und Pflegeeinrichtungen Zugang zu den Daten gemeinsamer Patienten. Der Zugang erfolgt browserbasiert über eine gesicherte Internetverbindung – Einrichtungen mit einer standardisierten EFA-Schnittstelle können auch direkt eingebunden werden.

Langfristig plant die gematik, die Telematikinfrastruktur für Gesundheitsdatendienste zu öffnen. Die elektronische FallAkte ist hierbei als erste freiwillige Anwendung vorgesehen.

Die Wohlfahrt.Cloud – effiziente Digitalisierung mit der SoCura

Unabhängig von der zukünftigen flächendeckenden Vernetzung des gesamten Gesundheitswesens untereinander können (und müssen) Unternehmen im Gesundheits- und Wohlfahrtssektor auch heute schon daran arbeiten, ihre Organisation und Mitarbeiter sicher und exzellent ins digitale Zeitalter zu führen.

Mit der Wohlfahrt.Cloud bietet die SoCura exklusiv eine gemeinsame IT für Organisationen aus dem Wohlfahrtsbereich, die eine hybride Cloud-Architektur auf höchstem technischem und qualitativem Niveau bietet. In einer sicheren, virtuellen Arbeitsumgebung stellt sie Nutzerinnen und Nutzern einen IT-Arbeitsplatz mit Desktop, Applikationen und Laufwerken sowie umfassenden IT-Support zur Verfügung. Hauptamtliche Mitarbeiter arbeiten in der Public Cloud, Anwender, die mit weniger sensiblen Daten zu tun haben, arbeiten in der Public Cloud – auf Basis von Office 365.

eHealth-Anwendungen im Alltag

Von Wearables, die Vitalwerte und Bewegung aufzeichnen bis hin zu intelligenten Badezimmern, die Demenzkranke daran erinnern, sich die Zähne zu putzen: Digitalisierung im Gesundheitswesen beginnt auch beim Patienten selbst. Auch die SoCura entwickelt für ihre Kunden Applikationen, die die Versorgung im Alltag verbessern. Ein Beispiel ist ein Alexa Skill von Amazon, das den Hausnotruf unterstützen wird. Stürzt beispielsweise ein alter Mensch zu Hause, kann er über das Gerät Amazon Echo per Sprachsteuerung Hilfe rufen.

eHealth ist noch ein langer Weg – aber einer, der sich lohnt

Insgesamt kann man festhalten: eHealth ist ein sehr komplexes Thema mit sehr vielen, sehr unterschiedlichen Facetten. Auf der einen Seite stehen technische Innovationen und Applikationen, die heute schon den medizinischen Alltag erleichtern und Abläufe verbessern, auf der anderen Seite steht eine komplette Umstellung des Gesundheitswesens. Diese wird sicher noch einige Jahre dauern, am Ende wird sie aber zu wesentlich mehr Vernetzung und damit zu mehr Effizienz und Exzellenz im Gesundheitswesen führen. Unterm Strich werden insbesondere die Patienten von der umfassenden Digitalisierung des Gesundheitswesens profitieren. Praxen, Kliniken und Pflegeeinrichtungen tun ihrerseits gut daran, sich dem Thema eHealth zu öffnen und es für sich zu nutzen – die SoCura unterstützt ihre Kunden dabei gerne.


Artikel teilen