Allein durch die Ausbildung? Nicht mit der SoCura!


Veröffentlicht am: 01.12.2020
Zuletzt aktualisiert: 04.06.2021


Rami Shouha ist aus Syrien nach Deutschland gekommen und absolviert derzeit bei der SoCura eine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement. Trotz anfangs großer sprachlicher Hürden hat er die erste Ausbildungshälfte erfolgreich bestanden. Im Gespräch erzählt er von seinem beruflichen Entwicklungsweg, den er nicht allein beschreiten musste.

Welcher Weg hat dich zur Ausbildung „Kaufmann für Büromanagement“ geführt?

Als ich 2016 von Syrien nach Köln gekommen bin, habe ich eine Betreuerin zugewiesen bekommen, die bei den Maltesern arbeitete. Zwei Jahre später hat sie gesehen, dass die SoCura zum Tag der Ausbildung einlädt und mich gefragt, ob ich dort hingehen möchte. Wir haben diesen dann gemeinsam besucht. Dort habe ich Frau vor der Wülbecke kennengelernt, die Personal- und Ausbildungsleiterin der SoCura. Ich habe sie gefragt, ob ich bei der SoCura nicht vielleicht auch erstmal nur ein Praktikum machen könnte. Sie hat mir dann ein einmonatiges Praktikum vorgeschlagen. Ich fand die Idee Prima und habe direkt angenommen. Als ich nach dem Praktikum erfahren habe, dass man mir einen Ausbildungsplatz anbot, habe ich meine damalige Arbeitsstelle im Supermarkt gekündigt und wusste, dass sich das gelohnt hatte.

Hattest du vor Beginn deiner Ausbildung Bedenken?

Ich wusste, dass die Ausbildung nicht nur allgemein schwer sein würde, sondern auch, dass ich sprachliche Schwierigkeiten haben würde. Ja, ich hatte große Angst zu scheitern.

Neben deinen Ängsten hast du auch sicherlich Stärken mitgebracht.

Ja. Ich habe in Syrien zweieinhalb Jahre Bank- und Finanzwissenschaften studiert. Dadurch konnte ich mir ein Bild machen, was mich als Kaufmann für Büromanagement erwarten würde. Ich wusste, zum Beispiel, wie man eine Bilanz erstellt. Das Problem war, dass ich das in Syrien auf Arabisch gemacht habe. Von der Sprache her war es für mich eine komplette Umstellung. Zum Beispiel waren die Begriffe in der Bilanz alle neu für mich. Ich musste also aus dem Arabischen ins Deutsche übersetzen, damit ich verstehe, welche Themen ich gerade bearbeite und lerne. Der mathematische Teil ist immer derselbe geblieben. Trotzdem war das schon sehr mühselig, besonders zu Beginn.

Was mir auch sehr geholfen hat, war, dass ich in meiner Zeit bei der Stadtbibliothek Köln zwei bis drei Monate Nachhilfe in Deutsch bekommen habe. Ich habe gelernt, Briefe und E-Mails und auch Bewerbungen auf Deutsch zu schreiben. Diese Unterstützung hat mir zu meinem Praktikum und meiner Ausbildung verholfen.

Wirst du auch während deiner Ausbildung von der SoCura unterstützt?

Ich bekomme bei der SoCura in drei Richtungen Unterstützung. Eine davon sind die KBK-Kurse, die alle Azubis besuchen können. Das sind Vorbereitungskurse für Abschlussprüfungen vom Kaufmännischen Berufsförderungswerk Köln e.V.. Damit werden wir bestmöglich auf unsere Prüfungen vorbereitet. Dass wir das haben, finde ich sehr gut. Ich selbst kriege zusätzlichen Deutschunterricht, um meine Sprache zu verbessern. Dazu kriege ich auch Unterstützung durch eine Kollegin, die mir bei den schulischen Inhalten hilft. Diese beiden Nachhilfen finden während meiner Arbeitszeit statt, sodass ich mich in meiner Freizeit nach der Arbeit erholen kann.

Findest du auch bei anderen Kolleginnen, Kollegen und Führungskräften Unterstützung?

Auf jeden Fall. Zum Beispiel fragt meine Ausbildungsleiterin Frau vor der Wülbecke uns Auszubildende regelmäßig, ob und wo sie uns helfen kann. Wenn ich zum Beispiel in der Schule Probleme mit Lehrer*innen habe, dann unterstützt sie mich und steht mir zur Seite. Sie möchte, dass wir alle eine gute Ausbildung erfahren und mit Erfolg abschließen. Ich weiß, dass ich mich auf sie verlassen kann und das gibt mir ein gutes Gefühl.

                                                                                                                                                                                        Auch in den Teams, in denen ich bisher gearbeitet hatte, habe ich große Unterstützung erhalten. In jeder Abteilung hatte ich jemanden, der mir bei Fragen geholfen hat. Ich erinnere mich zum Beispiel an Frau Henning aus der Buchhaltung, die mir in diesem Bereich alles Fachliche erzählt hat, was ich wissen musste. Aber sie hat mir auch darüber hinaus geholfen. Sie hat zum Beispiel auch Tipps gegeben, wie ich mit Stresssituationen besser umgehen und mich meiner Ausbildung ruhiger widmen kann.

 

Besonders erinnere ich mich an meine erste Zeit mit meiner Kollegin aus der Abteilung Verträge & Abrechnung. Als ich frisch bei der SoCura angefangen habe, hat sie mir sehr geholfen. In den ersten drei Monaten meiner Ausbildung war für mich vieles neu und auch mein Deutsch war noch nicht so gut wie heute. Sie hat mir in Ruhe alles erklärt, was ich können musste. Das ging von fachlichen Inhalten bis hin zum Kontaktieren von Kolleginnen und Kollegen.

Wie hast du dich in deiner Anfangszeit bei der SoCura gefühlt?

Ich habe mich von Anfang an wohlgefühlt. Ich habe viele Leute aus fast allen Abteilungen kennengelernt und schnell gemerkt, dass alle sehr nett sind. Obwohl ich am Anfang der Ausbildung Schwierigkeiten hatte, habe ich rasch gemerkt, dass alles besser wurde und auch die Zeit schneller verging.

Gab es auch schon schwierige Zeiten während deiner Ausbildung? Wenn ja, wie hast du diese gemeistert?

In den ersten drei Ausbildungsmonaten habe ich einen sehr großen Druck wegen der Schule und der Arbeit gespürt. Ich hatte große Probleme mit einigen Lehrerinnen und Lehrern, die nicht gut mit meinem Sprachniveau umgehen konnten. Das war für mich echter Stress und ich hatte öfter Kopfschmerzen. Frau vor der Wülbecke hat mir in dieser Situation sehr geholfen und mir Urlaub genehmigt, damit ich mich wieder erholen konnte Ohne ihr Verständnis wäre diese Zeit sehr viel schwieriger gewesen.

Auch jetzt während der Pandemie unterstützt Frau vor der Wülbecke uns sehr. Sie gibt sich große Mühe, dass wir Azubis auch online aus dem Home-Office Kontakt zueinander haben. Dafür hat sie allen Azubis Webcams zur Verfügung gestellt, damit wir uns untereinander sehen können. In unseren wöchentlichen Azubi-Meetings lässt sie nichts unversucht, damit alles möglichst normal wirkt. Sie gestaltet dort mit uns Online-Projekte, damit wir nicht den Kontakt zueinander verlieren. Auch wenn wir Zuhause sind fühlen wir uns niemals alleingelassen.

 

Hat die berufliche Förderung der SoCura auch Auswirkungen auf deine persönliche Entwicklung?

Die Unterstützung durch die SoCura hat meine Persönlichkeit wirklich etwas verändert. Hätte ich Hilfe bei außerberuflichen Angelegenheiten benötigt, hätte ich sie bekommen. Diese Hilfe wurde mir nämlich angeboten. Ich habe das aber abgelehnt, obwohl es sehr zuvorkommend war. Ich merke aber auch so, dass ich privat stärker geworden bin. Dass ich in der deutschen Sprache gefördert werde, hilft mir natürlich auch in meinem Privatleben. Ich kann jetzt viel sicherer und selbstbewusster mit der deutschen Sprache umgehen. Bei meinen Bewerbungsgesprächen bei anderen Firmen wurde ich wegen meiner Sprache abgelehnt oder hätte eine Ausbildung nur anfangen können, falls ich eine Nachhilfe aus eigener Tasche bezahlt hätte. Das hätte ich nicht allein schaffen können. Manchmal hat mich das etwas heruntergezogen, aber von dieser Unsicherheit spüre ich jetzt kaum noch etwas.

Du hast die erste Hälfte deiner Ausbildung und damit auch einen ersten Meilenstein erreicht. Wie ist dein Eindruck von der ersten Halbzeit?

Sehr gut! Wo immer ich in schwierigen Zeiten Hilfe gebraucht habe, habe ich sie auch bekommen. In der Schule und auch bei der Arbeit hat alles sehr gut funktioniert. Ich hätte niemals gedacht, dass ich das alles so gut hinkriegen könnte.

Mit welchen Gefühlen und Erwartungen gehst du in die zweite Ausbildungshälfte?

Ich merke schon, dass die Ausbildung mit der Zeit schwieriger geworden ist. Es kommen zum Beispiel neue Fächer wie Englisch hinzu, die mir schwerfallen. Trotzdem bin ich mir sicher, dass ich meine Ausbildung schaffen werde. Bei der ersten Hälfte hatte ich auch Sorgen und trotzdem ist sie mir gut gelungen!

 

Mein Name ist Rami Shouha, ich bin 26 Jahre alt und komme aus Syrien.

Ich habe in Damaskus Bank- und Finanzwissenschaft studiert und als Buchhalter gearbeitet. Wegen des Krieges in Syrien bin ich im Januar 2016 nach Deutschland geflüchtet.

Ich musste eine neue Sprache und neue Menschen kennenlernen. Ohne die Papiere meines Studiums, konnte ich nichts machen, das war ein großes Problem für mich.

Beim Tag der Ausbildung habe ich Informationen über die SoCura bekommen und die Personalabteilungsleiterin kennengelernt. Sie hat mir Informationen gegeben, die mich zu meiner Ausbildung bei der SoCura geführt haben.

Mit der Ausbildung in der Hand stehe ich wieder fest auf den Beinen und freue mich auf zukünftige Hürden, die ich gemeinsam mit meinen Kolleg*innen bewältigen werde.


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